Freitag, 7. Juni 2013

Wandern in Kyoto

Jetzt kommt ein Nachtrag von dem, was ich noch vor der Hiroshima-Reise erlebt habe.

Dienstag, 14.05.2013
Heute hatte Miranda, eine Mitbewohnerin aus dem I-House, Geburtstag und wir haben abends zusammen gesessen, Kuchen gegessen und Totoro auf Japanisch geguckt. Da habe ich zum ersten Mal die Theorie zu dem Film gehört, dass die beiden Kinder in Wahrheit tot sind und deshalb Totoro und den Katzenbus sehen. Ich glaube aber nicht, dass der Regisseur das so gemeint hat.
Ich habe meinen ersten Kuchen hier in Japan gebacken! Allerdings nur mit einer Fertigbackmischung. Hier gibt es ja keinen Ofen, die Mikrowelle ersetzt dessen Funktion. Hat auch ganz gut geklappt.

Geburtstagskind und Kuchen
It's Qwirkle time!

Mittwoch, 15.05.2013
Am 15. Mai findet jedes Jahr eines der wichtigsten Feste Kyotos statt: das Aoi-Matsuri (Matsuri bedeutet Fest). Die Hauptattraktion ist eine Prozession vom kaiserlichen Palast vorbei am Shimogamo-Schrein bis hin zum Kamigamo-Schrein (ca. 6 km). Wenn man an einem Ort steht und zuschaut, dauert es ungefähr eine Stunde, bis die ganze Parade vorbeigezogen ist. Sie besteht aus rund 500 Menschen in altertümlicher Kleidung, teils auf Pferden, und aus mit reichlich Blumen geschmückten Ochsenkarren. Hauptperson der Prozession ist die Saio, ursprünglich eine junge Frau aus der kaiserlichen Familie, die als Hohepriesterin der Schreine gedient hat. Heutzutage sind die Saio (jedes Jahr eine andere Frau) einfach unverheiratete Frauen aus Kyoto. Auch viele Mädchen haben die Prozession begleitet.
Das Bogenschießen der Reiter, zu dem ich gegangen bin, war ein Auftakt zu diesem großen Fest.
Leider fand das Aoi-Matsuri dieses Jahr an einem Mittwoch statt. Da ich da immer lange Unterricht habe, bin ich nicht hingegangen. Aber aus dem Internet habe ich ein paar schöne Fotos gefunden.

Teil der Parade
Die Saio




Ganz untätig war ich aber nicht an dem Tag. Ich bin nochmal den 88-Tempel-Wanderweg gelaufen, da wir ihn letztes Mal nicht richtig zu Ende gemacht haben. Ich genoss noch einmal die herrliche Sicht auf Kyoto und die Ruhe zwischen den Bäumen.

Tina auf einem Felsen
Eine Kuh begrüßt einem am ersten Tempel
Ich bin in der Glocke!
Herrliche Aussicht



Der finale 88. Tempel

Donnerstag, 16. Mai 2013
Wieder ein Wander-Tag mit Adrian! Er hatte vom Zug aus eine schöne Stelle mit Fluss und Bergen gesehen und wollte die Gegend erkunden. Gesagt, getan. Ich habe ja nicht allzuviel erwartet, aber es war sehr beeindruckend! Der Bahnhof war auf einer Brücke zwischen Bergen und unter der Brücke verlief der Fluss. Niemand sonst ist ausgestiegen und abgesehen vom Bahnhof war nichts von menschlicher Zivilisation zu sehen. Wie ein Geisterbahnhof. Wir sind ein bisschen gewandert und haben am Fluss tolle Fotos gemacht. Auf einmal kamen Boote mit ganz vielen Menschen vorbei! Es war eine Panorama-Bootsfahrt und die Japaner haben alle Fotos von uns gemacht. xD Als ob wir die Hauptattraktion wären....

Der Bahnhof im Nirgendwo
Ein Licht am Ende des Tunnels... 



Seht ihr das Boot?
Hier fährt eine alte Sightseeing Bahn lang






Sonntag, 19.05.

Heute fand ein anderes Fest in Kyoto statt, das Mifune-Matsuri (Bootsfest). Es hat leider den ganzen Tag geregnet und so wurde die Parade mit einem Ochsenkarren abgesagt. Aber die Boote sind trotzdem gefahren. Es waren alte, lange Boote mit Drachenköpfen vorne. Die Passagiere waren wieder mal traditionell gekleidet. Jedes Boot hatte ein anderes Thema. Auf einem Boot waren Musiker, auf einem anderen Kinder oder Geishas. Wir haben ein bisschen die Boote auf dem Fluss beobachtet und der Musik gelauscht. Aber ich war dann auch sehr froh, wieder im Trockenen zu sein.

An dem Schrein kleben Sänger ihren Namen an und beten für eine gute Stimme
Der Stoffochse, der leider nicht im Regen spielen durfte







Ganz viele Zuschauer, trotz des Regens
Ein Mozart Schirm

Viele liebe Grüße aus dem 30° C heißen Kyoto,
eure Tina-chan :-)

Sonntag, 2. Juni 2013

Mit dem Nachtbus nach Hiroshima (3)

Bericht über Sonntag, 26.05.2013

Nach unserem Besuch im Friedenspark haben wir die Burg von Hiroshima besichtigt. Natürlich war es nicht das Original, sondern eine Rekonstruktion. Auf dem Burggelände, welches von einem Wassergraben umgeben war, konnte man auch noch die Ruinen von der alten Burg sehen. In der Burg befand sich ein kleines Museum mit alten Samurairüstungen, Schwertern und alten Gemälden. Man konnte auch die Kleidung von damals anprobieren. Eine sehr nette Japanerin hat mir geholfen, in das Kostüm eines japanischen Kaufmannes (?) zu schlüpfen.

Eingang zum Burggelände

Ich bekomme Hilfe beim Aniehen
Tadaa!
Tenten wird zur Prinzessin

Ganz oben auf der Burg gab es eine kleine Aussichtsplattform, von der man einen schönen Blick auf Hiroshima hatte.


Aussicht von der Burg

Hier fand grad ein Kinderfest statt

Danach wollte ich in einen berühmten japanischen Garten, aber Tenten hatte keine Lust dazu und wollte lieber Shoppen gehen. Also haben wir uns getrennt.
Der Shukkeien-Garten in Hiroshima ist wie eine kleine grüne Insel zwischen all den Hochhäusern. Es gibt einen großen Teich mit kleinen Brücken, einen kleinen Bambushain und viele Blumen und Sträucher.

Shukkeien Garten


Bambus - und im Hintergrund Hochhäuser



Zum Abendessen haben wir uns dann wieder getroffen und haben Hiroshimas Version von Okonomiyaki gegessen. Im Gegensatz zu Osaka werden hier nämlich Nudeln reingemacht. Ich hatte auch keins mit Fisch bestellt, sondern mit Knoblauchchips, Fleisch und extra Mais. Diese Sorte hat mir total gut geschmeckt! Die Pfannkuchen werden vor einem auf heißen Metallplatten serviert, damit sie warm bleiben. Zum Zerteilen hat man einen kleinen Spachtel und zum Essen nur Stäbchen.

Okonomiyaki!

Vorher und nachher


Bis zu unserer Busabfahrt um 22 Uhr hatten wir noch viel Zeit… wir sind noch ein bisschen durch die Einkaufsstraßen gebummelt und sind in eine Spielhalle gegangen. Dort haben wir diese Purikura-Fotos gemacht und man konnte wieder Kostüme ausleihen! Der Rock war aber viel zu klein für mich. xD




Danach wollte Tenten in ein Café mit W-Lan, damit sie mit ihrem iPad spielen konnte. Wir haben uns ein bisschen in dem Café ausgeruht und Eisparfait gegessen (obwohl wir noch so satt vom Okonomiyaki waren, aber es sah einfach so lecker aus xD).  Ich hatte ein Mochi-Parfait bestellt, es bestand aus Joghurt mit Cornflakes, Biskuitteig, Softeis mit Ahornsirup, Macha-Eis (grüner Tee), Anko und zwei verschiedenen Sorten Mochi. Total süß! >__<

Mochi-Parfait

Ich wollte nicht 2 h in dem Café rumsitzen und bin noch ein bisschen alleine durch die Straßen gelaufen. Die meisten Läden hatten schon geschlossen, aber ich habe noch einen Laden mit einer Cosplay-Abteilung gefunden.

Das habe ich mir übrigens in einem Süßigkeitenladen gekauft: ein komisches Getränk mit Ahornsirupgeschmack und ein Rirakkuma-Snack (habs noch nicht geöffnet)
Die Flasche hat doch ein Gesicht, oder?

Mit der Straßenbahn sind wir dann zum Hiroshima-Bahnhof gefahren, von wo unser Bus abfuhr. Wir waren beide ziemlich erledigt von dem anstrengenden Tag und wollten schnell nach Kyoto zurück. Die Busreise war aber ziemlich ungemütlich und ich konnte nicht gut schlafen. Dafür kam sie mir aber nicht so lang vor wie auf dem Hinweg.

Erleichtert sind wir in Kyoto ausgestiegen und waren beide sehr müde und fertig. Nach einer kurzen Dusche habe ich dann nochmal bis um 14 Uhr geschlafen (und geschwänzt). Tenten musste aber zur Uni, da sie einen wichtigen Test hatte.

Und so ging meine erste große Reise hier in Japan zu Ende…

Ich bin sehr froh, dass ich sie gemacht habe und bereue auch nicht, den Nachtbus genommen zu haben. Nur dass Tenten so müde und lustlos war, hat mich etwas gestört. Miyajima mit dem Tor ist auf jeden Fall eine Reise wert und sehr schön. Hiroshima war auch sehr interessant. Aber das altertümliche Kyoto gefällt mir immer noch am besten. J


Hiroshima-Bericht abgeschlossen *puh*



Vom Mai muss ich aber auch noch was nachtragen, da hab ich immer noch was zu tun! Bin in letzter Zeit so lustlos... ob das am Wetter liegt?

Viele liebe Grüße jedenfalls an alle,
von der Tina-chan

Mit dem Nachtbus nach Hiroshima (2)

Hiroshimas Friedenspark und Gedenkmuseum


Bericht über Sonntag, 26.05.2013
„Als am 6. August 1945 um 8.15 Uhr die Atombombe auf Hiroshima fiel, wurde aus einem der belebtesten Wohn- und Geschäftsviertel im Zentrum der Stadt, mit einem Schlag ein leeres, verwüstetes Feld. 80 000 Menschen starben sofort beim Einschlag der Bombe, weitere 60 000 in nur wenigen Wochen nach dem Angriff. Im Laufe der Zeit sterben bis zum heutigen Tag noch weitere Menschen an den Folgeschäden.“ 

Schild auf deutsch
ehemalige japanische Industrie- und Handelskammer

An unserem zweiten und letzten Tag in Hiroshima haben wir uns den Friedenspark und das Gedenkmuseum vorgenommen.  Es war ziemlich heiß und so haben wir uns nur kurz draußen im Park ein paar Denkmäler angeguckt.
Blick auf den Friedenspark aus dem Museum

Eines ist den verstorbenen Kindern gewidmet. Auf der Spitze der eiförmigen Skulptur steht die Figur eines Mädchens mit einem Origami-Kranich. Vorbild war die Geschichte des japanischen Mädchens Sadako, die aufgrund der Strahlung an Leukämie erkrankt ist. In Japan heißt es, wenn man 1000 Papierkraniche faltet, so habe man einen Wunsch frei. Der Kranich ist das Symbol für Gesundheit und Glück. Doch leider starb Sadako vorher und schaffte nur 644 Kraniche. Um das Denkmal herum sind deswegen ganz viele Boxen mit Papierkranichen, die Schulklassen aus ganz Japan hierherbringen. Sie sollen die restlichen Papierkraniche für Sadako symbolisieren.

Denkmal für die Kinder

Alles aus Papierkranichen

Natürlich bin ich auch zur Friedensglocke gegangen und habe sie geläutet. Das darf hier jeder Besucher frei tun und so seinen Wunsch nach Weltfrieden zum Ausdruck bringen. Errichtet wurde sie 1964 und die Oberfläche der Glocke zeigt die Worte „Die Welt ist eins“, sowie das Relief einer Welt ohne Grenzen. Im Berliner Volkspark steht ja auch eine Friedensglocke (seit 1988), diese hat die Inschrift „Weltfrieden“ auf Deutsch und Japanisch.

Friedensglocke in Hiroshima
Friedensglocke in Berlin

Vor dem modernen kastenförmigen Museumsgebäude befindet sich eine seit 1964 ewig brennende Flamme. Erst wenn es auf der Welt keine Atombomben mehr gibt, soll sie erlöschen. Wird also leider noch etwas dauern…

Ewige Flamme und Atombombenkuppel
Schlichte Architektur - ewige Flamme, Kenotaph, Gedenkmuseum 

Dahinter befindet sich das sogenannte Kenotaph, ein sattelförmiges leeres Steingrab mit der Inschrift „Ruhet in Frieden. Denn dieser Fehler soll sich nicht wiederholen.“  Die Form hat den Hintergrund, den verstorbenen Seelen mit diesem Bogen ein Obdach zu bieten. Jedes Jahr am 6. August findet hier die Gedenkzeremonie für die Opfer statt.

Blumen für die Opfer

Im kühlen Museum war es leider sehr voll, sodass man sich nicht in Ruhe alles angucken konnte. An manche Texttafeln bin ich gar nicht erst rangekommen, so viele Menschen standen davor. In dem Museum befinden sich viele Stadtmodelle von Hiroshima, viele Exponate, an denen man die Zerstörung sehen kann (verbeulte Glasflaschen, Kleidungsfetzen…) und auch einige Fernseher mit Videos unterlegt mit trauriger, dramatischer Musik. Zuerst wurde der geschichtliche Hintergrund geklärt (Warum Hiroshima?) und dann die einzelnen Phasen der Zerstörung (Explosion, Druckwelle, schwarzer Regen, Brand). Danach ging es um den Wiederaufbau, Folgeerkrankungen, den weltweiten Protest gegen Atombomben und ein bisschen über die heutige Situation. Über die physikalische Wirkungsweise der Atombombe gab es nur eine Minitexttafel, aber darum ging es ja nicht in diesem Museum. Am Ende konnte man noch eine Petition gegen Atombomben unterschreiben.


Viele Besucher drängeln sich um die Tafeln
Uhr, die zu dem Zeitpunkt der Explosion stehen geblieben ist

Verschiedene Exponate - auch zum Anfassen
Modell der Kuppel
Modell von Hiroshima mit Epizentrum der Explosion
Fotografien der Pilzwolke

Wir hatten beide nicht viel gefrühstückt, und so hatte ich etwas Angst, dass mir im Museum schlecht wird. Aber da so viele Leute da waren, sind wir ein bisschen schneller durchgegangen und die Bilder mit den Kranken haben wir übersprungen. Wurde ich ja in der Schule schon genug mit gequält…

Insgesamt weiß ich nicht, was ich von dem Museum halten soll. Wenn man in Hiroshima ist, muss man natürlich da reingehen und der Eintritt kostet auch nur 50 Yen. Es ist ziemlich düster da drin (passend zum Thema) und wenn man danach in den strahlenden Sonnenschein kommt, fühlt man sich schon  etwas komisch. Ich habe auch kleine Kinder in dem Museum gesehen und mich gefragt, ob die das überhaupt verstehen… (hoffentlich nicht.) Von Tenten habe ich auch erfahren, dass sie in China in der Schule eigentlich nicht so viel über Hiroshima gelernt haben und von einer aus Amerika, dass ihnen immer beigebracht wurde, dass es einen guten Grund gab, die Bombe abzuwerfen. So ist das mit der Geschichte, aus jedem Standpunkt sieht sie etwas anders aus…



Nach dem Peace Memorial Museum haben wir dann erstmal ordentlich gefrühstückt.

Handgemachte Onigiri, frittierte Hähnchenstreifen und ein Doubleberryshake

Fortsetzung folgt.... in nicht allzu kurzer Zeit :-)