Mittwoch, 17. Juli 2013

Fahrrad verschleppt!

Bericht über Sonntag, 23.06. und Montag, 24.06.2013

Am Sonntag bin ich mit dem Fahrrad in die Innenstadt gefahren, um ein bisschen zu bummeln (haha, weiß eigentlich jeder, was damit gemeint ist? :D).
Es wird allgemein gesagt, dass in Kyoto das Fahrrad als Fortbewegungsmittel am praktischsten ist. Busse sind meist überfüllt, kommen nicht pünktlich und wenn man in einen anderen Bus umsteigen will, muss man doppelt bezahlen. Ich bin auch sehr froh, dass ich hier ein Fahrrad habe und fahre fast jeden Tag damit. Auch ans andere Ende der Stadt kommt man mit dem Fahrrad.

Allerdings ist es in Kyoto auch etwas gefährlich, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Erstens gibt es viele kleine, enge Straßen, ohne Fuß- oder Radweg und die um die Ecke kommenden Autos kann man meist gar nicht sehen. An vielen Kreuzungen sind deswegen Spiegel angebracht. Am Rand der großen Hauptverkehrsstraßen gibt es auch breite Fußwege, die manchmal auch eine Fahrradspur haben, aber die Fußgänger laufen eh dort, wo es ihnen gerade gefällt. Damit kommen wir zu den Dingen, die mich beim Fahrradfahren aufregen. Selbst wenn man schon von weitem klingelt, machen die meisten Fußgänger nicht Platz. Sie drehen sich zwar um und sehen, dass da ein Fahrrad kommt, aber bewegen tun sie sich nicht. Wenn man auf der Straße fährt (auf der linken Seite!), stehen am Rand auch ganz viele parkende Autos, an denen man vorbei muss und ständig fahren große Busse an einem vorbei. Also weiß ich nie so recht, ob ich auf dem Fußweg oder auf der Straße fahren soll. Ich wechsel dann immer je nach Situation.

Hier kann man den Radweg erkennen...

... aber hier?

Noch schlimmer als die Fußgänger sind allerdings die anderen Fahrradfahrer! Mir ist aufgefallen, dass hier alle extrem langsam fahren. Kyoto hat sowieso den Ruf, eher eine ruhige und gemütliche Stadt zu sein im Vergleich zu anderen Großstädten Japans. Jedenfalls gibt es unter den Jugendlichen sehr viele, die während des Fahrradfahrens nicht nur mit dem Handy telefonieren, sondern mit dem Smartphone Mails schreiben/ facebook checken etc. Beim Telefonieren kann man ja noch auf die Straße gucken, aber so schauen sie nur auf das Display! Des Weiteren fahren ganz viele Schüler mit dem Fahrrad nebeneinander und plaudern und man kommt wieder mal gar nicht vorbei. Am schlimmsten aber sind die Situationen, wenn man (wie es vorgesehen ist) auf der linken Seite der Straße fährt, und von vorne auf der gleichen Seite ein Fahrrad kommt! Obwohl die eigentlich auf der falschen Seite fahren, weichen sie oft nicht aus, und so muss ich noch näher an die Autos heranfahren. :(

Von meinen Beschwerden, zurück zu meinen Ausflug in die Innenstadt:
Als ich zurück zu meinem Fahrrad ging, war es nicht mehr da! Besorgt, dass es geklaut wurde, war ich nicht. Denn bei der Einführungsveranstaltung wurde uns schon gesagt, dass wenn wir unser Fahrrad falsch parken, es von der Stadt eingesammelt wird und man es abholen muss. Ich hatte es nicht in die Fahrradparkstation gestellt, sondern vor einen Laden, wo schon ganz viele andere Fahrräder standen und ich es auch nicht das erste mal tat. Normalerweise sind die Fahrradparkstationen total überfüllt und man findet gar keinen freien Platz mehr, aber an diesem Tag war noch etwas frei und das wurde wahrscheinlich zu meinem Verhängnis. Obwohl in Kyoto alle mit dem Fahrrad fahren, gibt es nur sehr wenige Orte, wo man sein Fahrrad parken kann (und vor allem darf). Man darf es nicht einfach so an den Rand stellen (wo es niemanden stören würde), sondern nur an ausgewiesenen Plätzen. Dort muss man aber meistens Geld bezahlen. Das Fahrrad stellt man in einen Fahrradständer, wo dann automatisch ein Schloss zuklappt. Erst wenn man am Parkautomaten bezahlt hat und seine Ständernummer eingetippt hat, öffnet sich das Schloss. Vor Supermärkten gibt es auch Parkplätze, da stehen extra Angestellte davor, die einen einen Platz zuweisen und die Fahrräder dicht zusammenrücken, damit noch mehr Platz ist. An meiner Universität komme ich jeden Tag an 4-6 solcher Angestellter in blauen Uniformen vorbei, die mir den Weg weisen, Guten Morgen wünschen und nachdem ich mein Fahrrad abgestellt habe, es zurechtrücken. Finde ich ja ganz schön übertrieben, aber so kann man auch Arbeitsplätze schaffen...
Wenn möglich, parke ich mein Fahrrad kostenlos bei einem Supermarkt, aber es ist ja nicht immer einer in der Nähe.

Fahrräder werden sogar doppelstöckig geparkt


Also: Schwerer Rucksack vom Einkaufen, Fahrrad weg. Im Moment konnte ich erstmal nichts machen, aber da es nicht mein eigenes Fahrrad war, war ich sehr beunruhigt. Als Selbstbestrafung, dass ich nicht die 100 Yen fürs ordnungsgemäße Parken bezahlt habe, bin ich den ganzen Weg nach Hause gelaufen, was 2 Stunden gedauert hat. Ich wollte niemanden, vor allen nicht den Hausmanagern, zur Last fallen und so habe ich erstmal selber im Internet recherchiert, wo und wie ich mein Fahrrad zurückbekomme. In Kyoto gibt es 7 verschiedene Fahrradsammelstellen, je nachdem, wo es eingesammelt wurde, kommt es zu dem jeweiligen Ort. Dort muss man sich ausweisen, seinen Fahrradschlüssel mitbringen und 2300 Yen (ca. 18 €) Strafe bezahlen. Na gut, damit konnte ich leben, solange ich mein Fahrrad zurückbekomme. Ich konnte der japanischen Webseite leider nicht entnehmen, zu welcher Stelle mein Fahrrad gebracht wurde, also bin ich am nächsten Tag nochmal zum Ort des Geschehens gegangen.
In den Orten, wo es verboten ist sein Fahrrad zu parken, gibt es sehr unauffällige grüne Schilder, die darauf hinweisen. Außerdem gibt es ein Schild, dass den Ort verrät, wo und wie man sein Fahrrad zurückbekommen kann (sogar mal mit englischer Übersetzung; gibt wahrscheinlich sehr viele Ausländer, denen das passiert. Woher sollen die das auch wissen?). Meine Sammelstelle war zum Glück nicht in einem Randbezirk, sondern genau in der Mitte auf dem Weg vom Wohnheim zum "Tatort". Also habe ich mich zu Fuß auf den Weg gemacht. Schon von weitem habe ich das große, mit Stacheldraht umzäunte Gelände ausfindig machen können. Der Menge der Fahrräder nach zu urteilen, verdient die Stadt sehr viel Geld mit den Fahrrädern. Allerdings muss ja auch der Abtransport und die Angestellten an den Sammelstellen bezahlt werden... Am Ende geben sie vielleicht mehr Geld aus, wer weiß.

Leicht zu übersehen, dieses Verbotsschild
Informationsschild

Am Eingang war ein kleines Wachhäuschen, da musste ich ein Formular ausfüllen. Wo, wann habe ich mein Fahrrad abgestellt, wie sieht es aus, Name, Adresse etc. Alles auf Japanisch, ich bin sehr stolz auf mich, dass ich das geschafft habe. xD Ich frage mich, wie das die anderen Touristen machen, der Angestellte konnte jedenfalls nur Bruchstücke Englisch. Ich musste auch gleich die Strafe bezahlen, ohne zu wissen, ob mein Fahrrad überhaupt da drinnen steht. Ein anderer Mann führte mich an den Reihen von Fahrrädern vorbei, die nach Datum sortiert waren. In der letzten Reihe stand mein Fahrrad! Ich sollte mit meinem Schlüssel das Schloss öffnen, dann wurde das Fahrrad noch mit einem Lappen kurz geputzt und ich konnte damit nach Hause fahren.
Das ganze lief ziemlich schnell und problemlos ab, habe ich gar nicht erwartet. 13 Uhr Fahrrad geparkt, 17 Uhr zurückgekommen, war nicht mehr da - am nächsten Tag um 12 Uhr hatte ich es wieder. Und ich war so froh, das Fahrrad wieder zu haben! Zur Uni zu laufen dauert nämlich so lange.. ;-)
Viele Japaner holen ihr Fahrrad gar nicht mehr ab, denn man bekommt Gebrauchte schon für 3000 Yen und so spart man sich die Mühe (und das Busgeld) mit dem Abholen. Wenn man sein Fahrrad nach 4 Wochen nicht abholt, werden sie entfernt (was genau mit ihnen passiert, weiß ich nicht).

In Zukunft habe ich mir vorgenommen, mein Fahrrad immer brav in die Parkstation zu stellen. Aber jedes Mal, als ich wieder da war, war schon alles belegt. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als es daneben zu stellen und zu hoffen, dass es später auch noch da steht.

Dieses Wochenende war ziemlich schrecklich, da niemand zur Wanderung mitgekommen ist, mein Fahrrad verschleppt wurde und mein Laptop endgültig nicht mehr angegangen ist! Die nächsten Tage war ich auch noch ziemlich erschöpft...


Aber jetzt geht's mir ja gut, habe nur noch zwei Schultage! :-D
Liebe Grüße, eure Tina-chan

...die heute mal keinen tollen Reisebericht, sondern eine Beschwerde gepostet hat xD


Nyaaan! =^,^=


Samstag, 13. Juli 2013

Wanderung von Kurama nach Kibune

Bericht über Samstag, 22. Juni 2013

An diesem Tag habe ich wiedermal eine schöne Wanderung gemacht - allerdings alleine.

Ausgemacht war eigentlich mit Adrian und noch 3 anderen Personen, dass wir um 9 Uhr losgehen. Ich wäre ja auch etwas später losgegangen, aber Adrian wollte es so. Also bin ich extra früh aufgestanden, aber als um 9:30 Uhr noch von keinem etwas zu sehen war, habe ich mal an Adrians Tür geklopft. Und ihn geweckt! Er wolle heute doch nicht wandern, sondern zu einem Antikmarkt in Kyoto gehen. Die anderen auch. Na toll, das hätten sie mir auch früher sagen können, dann hätte ich ausschlafen können. Ein japanischer antiker Markt klang aber auch ganz interessant. Allerdings wollte die Gruppe erst um 13 Uhr losgehen, und ich war ja schon um 9:00 losgehbereit. Und wer mich kennt, der weiß, dass ich gerne alles sofort erledigt haben möchte und wenn ich mir was vorgenommen habe, dass auch unbedingt durchziehen will. Da der Markt auch noch am nächsten Tag stattfinden sollte (wo ich dann aber doch nicht hingegangen bin), habe ich mich alleine auf die Socken zur Wanderung gemacht.

Mit dem Panorama-Zug ging's zum Ausgangspunkt Kurama
Dort begrüßte mich diese Langnase
Überschaubare Route mit vielen Tempeln


Traditionelles japanisches Gasthaus
Ein Farbtupfer im Grünen
800 Jahre alter, 53 m hoher Baum


Die Route lief über einen Berg von Kurama bis Kibune, zwei kleinen Orten im Nordosten Kyotos. Entlang des Wanderweges befinden sich viele Tempel, ein Naturmuseum und viele Ahornbäume, weshalb die Gegend im Herbst ein sehr beliebtes Ausflugsziel ist. Bekannt ist der Wanderweg auch durch die vielen Wurzeln, die offen den Wanderern ein kleines Hindernis darstellen.

So viele Stufen...!

Der Kurama-Tempel auf der Bergspitze

Sieht das nicht zauberhaft aus?
Kibune im Herbst

Der Zielort Kibune ist bei den Bewohnern von Kyoto sehr beliebt, da er an einem Fluss und ein paar Meter höher liegt und deswegen die Temperatur immer etwas niedriger als in der Stadt ist. Außerdem gibt es viele Restaurants, wo man auf Plattformen direkt über dem Fluss sein typisch japanisches Mahl einnehmen kann. Das hätte ich auch gerne gemacht, allerdings waren die Preise sehr hoch (ein Mittagsset für 40 €). Stattdessen habe ich mir nur den Kifune-Schrein angeguckt , der den Wassergöttern gewidmet ist.

Eingang zu einem Restaurant
Speisen über dem Fluss

Eingang zum Kifune-Schrein
Noch mehr Stufen!
Anstehen fürs Beten



Da es zwischendurch mal genieselt hat und es ziemlich warm war, war es total schwül und es ging auch nur Treppen hoch und dann wieder runter - also sehr anstrengend! Wandern scheint irgendwie eine Lieblingsbeschäftigung der Deutschen zu sein, denn egal ob hier oder auf dem Berg in Miyajima (bei Hiroshima), immer treffe ich ein paar Deutsche. Diesmal einen Ausstauschstudenten an der Kyoto Universität, der gerade Besuch von seiner Familie hat und mit ihnen wandern geht, haha.

Die Aussicht
Achso, hier bin ich also...



Nachdem ich völlig erschöpft zu Hause ankam, habe ich erstmal einen Nachmittagsschlaf gemacht. Abends hat Megan von Heather und Aki (mit denen ich beim Karaoke war) Besuch bekommen und wir haben alle zusammen selbst Pizza gebacken. Leider müssen Gäste im I-House schon um 21 Uhr gehen oder ansonsten 10 € bezahlen. (Allerdings weiß ich nicht, wie ernst das hier gehalten wird, die Vermieter sind ja wirklich sehr nett.)

Pizza-Time in Megans Zimmer!
Aki, ich, Pizza und Mojito aus der Flasche



Ganz viele liebe Grüße
von Tina-chan

...die wegen Regens, Blitz und Donner genug Zeit hatte, 2 Blog-Einträge zu verfassen und ganz viel zu lernen für die Japanisch-Abschlusstests


PS: In Japan wird ja alles zum Trend gemacht, auch das Wandern. Deswegen gibt es dafür extra eine Mode und eine Zeitschrift, die spezielle Routen und vor allem die neuste Wandermode präsentiert. Ich fand es ja ziemlich merkwürdig, als ich knallbunt angezogene Männer mit Leggings mit Elchmuster gesehen habe...

Ich sehe diese Mode auch immer mehr in der Stadt, scheint wohl gerade in zu sein und ein Gegentrend zu dem ganzen Puppenmäßigen-Süß-Aussehen.

Schick, schick, dieser Papagei
japanische Wandermode
Die hier sehen ja noch ganz normal aus.

Parfaits und Gitarrensound

Bericht über die Woche vom 17.06. bis 21.06.2013

Die Woche war nicht besonders spannend. Am Montag hatten wir einen großen Test und danach sind wir mit der ganzen Klasse (10 Personen) zum Parfait-Essen gegangen. In Japan geht man nicht Eis essen, sondern Parfait. Ich wusste am Anfang gar nicht genau, was das ist. Es ist mehr als ein Eisbecher - und viel süßer. Neben Eis gibt es noch die verschiedensten Zutaten, die man sich denken kann: Belgische Waffeln, Brownies, Oreo Cookies, Mochi, Biskuitrolle, Cornflakes, Joghurt, Obst, Pocky Sticks, Käsekuchen ... Es gibt sogar Parfaits mit Würstchen und Pommes. Wir sind in ein ziemlich beliebtes Café gegangen, was eine riesige Auswahl an Parfaits hatte und auch riesige Parfaits für bis zu 25 Personen (für 50.000 Yen! - ca. 385 €). Ich dachte, wer bestellt denn so was Teures, aber dazu mehr in einem nächsten Blogeintrag ;-)
Nach langem Überlegen habe ich mich für ein Blueberry Waffle Parfait entschieden, was sehr lecker war. Ein Parfait kostet so zwischen 6,50 - 10 € und ist im Vergleich zu einem ordentlichen Eisbecher aus Deutschland etwas kleiner. Dafür gibt es aber so viele verschiedene Sorten!
Also Mama, Papa, Tanja, Basti: Freut euch schon mal auf einen Besuch im Karafuneya Café! :-D

Dies ist nur eine kleine Auswahl der Auswahl...
Banana Choco Cookie Parfait
Cheesecake Parfait
Teddy Rainbow Parfait
Hazelnut Crepe Parfait
Parfaits mit Pommes, frittierten Hühnchen, Krabbe...
Ein Schnäppchen! Aber sieht schon verlockend aus...
Wie immer gibt es von allem die Platikversion im Schaufenster

Nachdem ich euch jetzt allen Lust auf Parfait gemacht habe, nun zu einem anderen Thema:
An den japanischen Schulen und Universitäten gibt es ja ganz viele Clubs und Vereine. An der Ritsumeikan Uni gibt es auch verschiedene Musik-Clubs: Piano, Mandoline, klassische Gitarre, Popmusik, Rock Musik, A Capella und sogar einen Heavy Metal Club. Diese Clubs geben mehrmals im Semester kleine Konzerte, wo jeder sein Können zeigt. Die Konzerte vom Heavy Metal Club "NEW MUSIC" habe ich leider immer verpasst, aber ich bin mal zu einem Vorspiel von dem Rock Club "Rock Commune" gegangen. Ein paar Tage vor der Aufführung laufen die Mitglieder mit Plakaten an Stöcken und vielen Flyern über den Schulhof und machen durch Sprechchöre auf ihr Konzert aufmerksam. Überhaupt kriege ich auf dem Schulhof immer jede Menge Flyer von Clubveranstaltungen in die Hand gedrückt (die meistens gleich im Mülleimer landen, weil ich sie nicht lesen kann).
Jedenfalls finde ich es sehr gut, dass die japanischen Schüler / Studenten diese Möglichkeiten haben. In Deutschland sieht es ja leider ganz anders aus... 
In einem eigenen kleinen Veranstaltungssaal mit Bühne und allem Equipment (Verstärker, Mikrofon, Lichtanlage etc.) fand das Konzert statt. Beim Eingang bekam ich ein Heft mit Informationen über die einzelnen "Bands" und ein Fragebogen zur Bewertung der gehörten Bands. Ich weiß nicht, wie der Ablauf und die Bandeinteilung in dem Club funktioniert, aber bei dem Konzert waren 8 Bands, die jeder 1 - 4 Lieder vorgespielt haben. Viele Leute waren auch in mehreren Bands vertreten. Ich war ziemlich beeindruckt, denn alle haben sehr gut gespielt. Meist mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang, manchmal mit Keyboard, manchmal ohne Gesang. Besonders hat mir eine Zweiercombo mit Schlagzeug und Bass gefallen, die interessante Soli gespielt haben. Leider waren nur ca. 20 Leute im Zuschauerraum und über die Hälfte Clubmitglieder. Aber ich fand es sehr interessant und habe auch meine positive Meinung in den Fragebogen eingetragen (sogar auf Japanisch). Da habe ich richtig Lust bekommen, selbst wieder Gitarre zu spielen.

Montag, 8. Juli 2013

Nudeln aus dem Bambusrohr - Nagashi Soumen

Bericht über Sonntag, 16.06.2013

Dass die Japaner eine ganz eigene Esskultur haben, dass wusste ich ja schon vorher. Aber von einer Sommertradition namens "Nagashi Soumen" hatte ich noch nie gehört. Bis jetzt.

"Soumen" bezeichnet die Nudelart (ähnlich wie die bei Ramen) und "nagashi" heißt soviel wie spülen, fließen, treiben lassen. Und genau das ist es auch: Ein aufgeschnittenes Bambusrohr wird mit etwas Anstieg aufgestellt und dann lässt man die vorher gekochten Nudeln zusammen mit etwas Wasser die Bambus-Wasserrutsche hinunter treiben. Man selbst stellt sich um das Bambusrohr und pickt sich die vorbeifließenden Nudeln mit Stäbchen raus, tunkt sie in seine Schale mit Suppe und hat viel Spaß. Wer es sich noch nicht genau vorstellen kann, hier ein kurzes Video dazu (die ersten 30 Sekunden reichen aus):



Im Sommer bauen sich viele japanische Familien ihre eigene Bambusbahn, aber es gibt auch einige Restaurants, in denen man Nagashi Soumen essen kann. Natürlich gibt es auch welche, die ihre ganz besondere Bahn mit Abzweigungen etc. bauen (wie eine Murmelbahn).

Diese Bahn von Bandai kann man sich für 65 € kaufen und passt auf den Esstisch

Die Veranstaltung wurde von einem Englisch-Club der Universität in der Mensa organisiert, sodass viele japanische Studenten und etwas weniger Austauschstudenten da waren. Bevor der eigentliche Nudel-Spaß begann, gab es ein paar Kennlernspiele in kleinen Gruppen. Zuerst musste man sich vorstellen, dann folgten die Mini-Spiele mit Zeitbegrenzung:
- so viele japanische Wörter wie möglich mit て (te) finden
- aus einer Zeitung so viele の (no) einkreisen, wie man findet
- aus einem Becher mit Körnern und Würfeln alles mit Stäbchen in einen anderen Becher befördern
- jeder musste eine 1-Yen Münze aufstellen (auf die Kante)

Die Gewinnerteams der Spiele durften als erstes an die Bambusbahn, da sie zu kurz für alle Teilnehmer war. Unser Team war leider eins der letzten, aber die Spiele waren sehr lustig. Außerdem gab es für die Wartenden jede Menge (kalte) Pommes und Chicken Nuggets von McDonalds. xD



Als wir endlich an der Reihe mit Nagashi Soumen waren, war ich ziemlich erstaunt, wie einfach das Rauspicken der Nudeln war. Ich hatte mir es schwerer vorgestellt, da sie ja in Bewegung sind. Aber eigentlich muss man sie nur senkrecht aufs Rohr stecken und dann warten, bis sich die Nudeln darin verfangen. Geschmacklich ist es jetzt keine Sensation, halt kalte Nudeln mit einer Art Sojasoße. Aber die Art und Weise ist umso lustiger! Eine wirklich tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Außerdem habe ich mit Japanern geredet und mit zweien sogar später noch etwas unternommen. Für die Japaner ist Deutschland übrigens Bier, Würstchen, Schloss Neuschwanstein, Brezel und Weihnachtsmarkt.

Wenn ich wieder zu Hause bin, will ich auch meine eigene Nudelbahn bauen! Man muss ja kein Bambusrohr nehmen und sicher lassen sich auch noch andere Lebensmittel runterrutschen... ;-)
(In Japan gibt es das Sprichwort "Mit Essen spielt man nicht" anscheinend nicht.)



Ganz liebe Grüße aus dem um 22 Uhr noch 30° C warmen Kyoto
Tina-chan


Samstag, 6. Juli 2013

Karaoke!

An einem Freitagabend (14.06.), war ich zum ersten Mal in einer echten japanischen Karaokebar! Es war einerseits sehr unterhaltsam, andererseits überhaupt nicht lustig. Aber immer schön der Reihe nach. :)
(Leider habe ich im Moment keine eigenen Fotos davon.)


Eingang einer Karaoke-Bar
Der Eingangsbereich ähnelt keineswegs einer Bar, wie ich es aus Berlin kannte, sondern eher einem schicken Hotel. An der Rezeption meldet man sich an, sagt wie viele Personen man ist, wie lange man bleiben möchte und ob man eine Getränkeflatrate dazubuchen möchte. Wir haben das All-you-can-Drink-Set mit Bier und Cocktails genommen (genau das war der Fehler xD), es gab auch eins mit nur Softdrinks und eins mit noch Whisky und anderen Sachen. Wir, das waren an diesem Abend Megan, Heather aus ihrer Klasse und ein Christian aus Deutschland. Später ist noch Heathers japanische Freundin Aki hinzugekommen.

Nachdem man an der Rezeption alles geklärt hat, bekommt man einen Korb mit Mikrofonen und einer Getränkekarte, sowie eine Raumnummer zugewiesen. Bezahlt wird nicht im Voraus, sondern erst wenn man geht (wie auch im Onsen). So merkt man gar nicht, wie viele Stunden vergehen und man eigentlich bezahlen muss. Wir dachten am Anfang, der ausgeschilderte Preis ist der Gesamtpreis, aber es war der Preis pro Stunde! Zum Glück konnte Aki unsere gebuchten 6 h dann noch auf 4 h herabsenken, denn so viel wollten wir doch nicht bezahlen. (Aki und Heather waren schon mal in dieser Karaokebar und hatten nur einen Gesamtpreis, aber das war mitten in der Woche).
Jedenfalls geht man dann zu der Kabine mit seiner Raumnummer. Was gar nicht so leicht ist, denn die Karaokebar ähnelte einem Labyrinth und es gab wirklich viele Kabinen...

Welche Kabine ist unsere?
Die Kabine war gar nicht so klein, wie ich erwartet hatte, ziemlich sauber und ordentlich. In der Mitte stand ein Tisch, drumrum eine Sitzbank (für sicher 8 Leute) und an der Wand ein großer Bildschirm. Das Licht konnte man selbst dimmen und zusätzlich eine Diskokugel anschalten (yeeeah!). In der Ecke stand das Gerät, wo man die Lieder auswählt, aber es gab auch noch zusätzlich einen kleinen tragbaren Minicomputer dafür. Aus einem Telefonbuch konnte man sich Lieder aussuchen, aber man konnte auch nach Songtitel oder Interpret in dem Computer suchen. Natürlich gab es sehr viele japanische und asiatische Lieder, besonders viele von jungen Boy bzw. Girl Bands. Justin Bieber und One Direction sind auch total beliebt bei den Japanern. Deswegen war ich sehr erstaunt, als ich viele Songs von Bullet for my Valentine und Children of Bodom (die kann man nachsingen? xD) in dem Telefonbuch entdeckte. Die hatten gerade neue Alben ausgebracht und waren deshalb in der Neuigkeiten-Liste. Die Getränke musste man übrigens über das Telefon in der Kabine bestellen (was gar nicht so einfach ist auf Japanisch, wenn nebenbei die Musik läuft und gesungen wird).

Japanische Girl Group AKB48 - total angesagt aktuell

Am Anfang haben wir ziemlich viele Disney-Songs gesungen und sonst auch nur Lieder auf Englisch (abgesehen von Aki). Singen ist jetzt nicht so mein Ding, aber wenn man es zusammen macht, ist es doch ganz lustig. Mit viel Alkohol lässt sich auch Children of Bodom sehr gut zu Karaoke verarbeiten. Die Getränkeflatrate haben wir auf jeden Fall sehr gut ausgenutzt. *hust*

Wenn die gebuchte Zeit abgelaufen ist, schaltet sich die Anlage aus und man geht (bzw. torkelt) mit dem Mikrofon-Körbchen an die Rezeption und bezahlt den ganzen Spaß. Für 4 h waren das bei uns pro Person ca. 20 €. Mit dem Taxi ging es dann nach Hause...

Die Karaoke-Truppe (mit Diskokugellicht)

Fazit: Das Karaoke an sich unterscheidet sich nicht von dem in Deutschland, aber die Ausstattung der Kabinen und der Service. Es war ganz nett, aber ich muss es nicht unbedingt wieder machen. Da reicht mir auch die Singstar-Version für zu Hause. Aber für richtige Singfreude und Geburtstagsfeiern sicher das Richtige.

Freitag, 5. Juli 2013

Es geht weiter!

ICH HABE WIEDER EINEN FUNKTIONIERENDEN LAPTOP!




Die besten Eltern der Welt haben mir einen anderen Laptop nachgeschickt, da meiner hier ja kaputtgegangen ist. (Und nicht nur einen Laptop, auch deutsches Vollkornbrot, Milka-Schokolade und Haribo-Gummibärchen! Daaankeee <3)

Das heißt: Ich kann endlich wieder fleißig Blog-Einträge schreiben! Habe ja mittlerweile einen ganzen Monat nachzuholen. Leider ist nun auch gerade Semesterende und es gibt viele Prüfungen, Vorträge und Aufsätze. Aber ich werde mein Bestes geben.

Vielen Dank an alle, die so lange gewartet haben, meinen Blog lesen und Kommentare schreiben! :-)

Eure glückliche Tina-chan
aus dem schwülen Kyoto